Praxis für Logopädie & Lerntherapie

 
 

BEHANDLUNGSFELDER KINDER


 "Zeichnen ist Sprache für die Augen,

Sprache ist Malerei für das Ohr."

(Joseph Joubert)


 

SPRACHENTWICKLUNGSVERZÖGERUNG/ -STÖRUNG/ -BEHINDERUNG

Unter einer Sprachentwicklungsverzögerung/-störung/-behinderung versteht man Auffälligkeiten des kindlichen Spracherwerbs vor Abschluss der Sprachentwicklung. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um eine zeitliche Verzögerung des Spracherwerbes handelt (SEV) oder ob das Kind die Sprache nicht altersentsprechend bzw. normgerecht erworben hat (SES). Bei einer Sprachentwicklungs-behinderung (SEB) kommt es zu Sprachstörungen auf Grund einer Hirnschädigung.



Folgende Störungsbilder können auftreten:


Sprachverständnisstörung
Um eine Sprachverständnisstörung handelt es sich, wenn die Reaktion des Kindes nicht den Anweisungen bzw. dem Sachverhalt entspricht und dessen Handlung der Situation nicht angemessen ist. Kinder mit einem eingeschränkten Sprachverständnis benutzen häufig Wiederholungen des Gesprochenen und sind oft "Ja-Sager".


Lexikalische Störung
Unter einer lexikalischen Störung versteht man alle Störungen auf der Wortebene. Dabei kann es zu einem  eingeschränkten aktiven und passiven Wortschatz, zu Störungen beim Abrufen von Wörtern, zu Wortbedeutungsstörungen sowie zu Wortformstörungen kommen. Ein eingeschränkter Wortschatz liegt vor, wenn das Kind nicht die dem Alter entsprechende Menge an Wörtern zur Verfügung hat. Bei einer Wortabrufstörung ist das Kind nicht in der Lage bzw. verzögert, die ihm bekannten Wörter im Bedarfsfall abzurufen. Dabei sind dem Kind die Wörter jedoch bekannt.


Phonologische Störung
Bei einer phonologischen Störung (Aussprache-störung) zeigen sich Fehler in der Lautver-wendung, dass heißt, der Erwerb des Lautsprach-systems ist nicht physiologisch. Dabei wird zwischen einer phonologischen Verzögerung und einer phonologischen Störung unterschieden.


Dysgrammatismus
Ein Dysgrammatismus bezeichnet die Störung der Grammatik, dass heißt, das Kind zeigt Abweichnungen im Erwerb und Gebrauch der Satz- und Wortbildung. Das Leitsymptom einer Grammatikstörung ist die falsche Verbstellung im Satz. So setzt das Kind das Verb nicht, wie in einem einfachen deutschen Satz an die zweite Stelle, sondern hält an der Verbendstellung fest. Neben der falschen Verbstellung können Defizite im Bereich Verbflexion, der Plural- und Kasusmarkierung vorkommen.




ARTIKULATIONSSTÖRUNG

Bei einer Artikulations- bzw. phonetischen Störung (auch Dyslalie genannt) handelt es sich um eine Sprechstörung, bei der es zu fehlgebildeten Lauten bzw. Lautverbindungen kommen.

Eine Artikulationsstörung liegt vor, wenn das Kind einen Schetismus lateralis (das /sch/ betreffend), einen isolierten Sigmatismus (das /s/ kann interdental, addental oder lateral gebildet werden) zeigt – entspricht im Volksmund dem „Lispeln“ oder eine Mischung aus beiden. Zudem kann es zu einer interdentalen Bildung der Laute /l/, /n/, /d/ und /t/ kommen. Dabei wird von einer multiplen Interdentalität gesprochen.



FUNKTIONELLE OROFAZIALE STÖRUNG/ MYOFUNKTIONELLE STÖRUNG

Bei einer Myofunktionellen Störung ist das muskuläre Gleichgewicht und das Zusammenspiel von Kau- und Gesichtsmuskulatur gestört. Durch das Entstehen eines Kräfteungleichgewichtes, kommt es zu Störungen des physiologischen Schluckaktes, zu Zungenfehlfunktionen und damit oft einhergehenden Artikulationsstörungen und/ oder Gebissanomalien.

Das Leitsymptom einer Myofunktionellen Störung ist die Zungenfehlfunktion. Dabei befindet sich die Zunge im Ruhezustand nicht an ihrer physiologischen Position. Häufig liegt sie dann an den unteren Schneidezähnen, zwischen den Zähnen vorn oder drückt zur Seite weg.

Weitere Symptome können sein:  fehlender Mundschluss; verdickte und verkürzte Oberlippe; spröde, rissige Lippen, eingerissene Mundwinkel; schmaler, hoher Gaumen; Kieferfehlstellungen und Zahnanomalien; Spucken beim Sprechen oder Ansammeln von Speichel in den Mundwinkeln; abweichende Kau- und Schluckfunktion sowie "verwaschene" und feuchte Artikulation.


ZENTRAL -AUDITIVE WAHRNEHMUNGS- UND VERARBEITUNGSSTÖRUNG

Unter einer zentral-auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung (AWVS) versteht man eine Störung der Hörverarbeitung zwischen dem Innenohr und dem Gehirn. Dabei ist das periphere Hören (d.h. das Hören im Ohr an sich) nicht betroffen. Ein Hörtest wäre unauffällig. Das Problem liegt in der Weiterleitung und Auswertung des akustischen Signals im Gehirn.

Die auditive Wahrnehmung und Verarbeitung umfasst mehrere Teilfunktionen, die aufeinander aufbauen oder parallel ablaufen.



Teilfuktionen der zentral-auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung können sein:


  • die auditive Aufmerksamkeit
  • die auditive Merkfähigkeit, d.h. die Fähigkeit mehrere Geräusche über einen bestimmten Zeitraum zu speichern
  • die Sequenzbildung, d.h. das Erfassen der richtigen Reihenfolge der zu merkenden auditiven Stimuli
  • das Richtungshören (Lokalisation)
  • die auditive Diskriminaton, d.h. das Unterscheiden von ähnlich klingenden Geräuschen/ Lauten
  • die auditive Analyse/ Identifikation, das bedeutet, das Erkennen eines bestimmten Geräusches/ Lautes aus einem Wort
  • die auditive Positionsbestimmung bzw. die Lokalisation der Lautposition
  • die auditive Synthese, d.h. das Zusammensetzen mehrerer Laute zu einem Wort
  • die auditive Ergänzung, was dem Einsetzen des richtigen Lautes im Wort entspricht


Eine intakte Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprache ist die Voraussetzung für die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit. Diese stellt die Basisfunktion des darauf aufbauenden Lese- und Schreiberwerbs.



KINDLICHE SPRECHAPRAXIE (VED)

Die kindliche Sprechapraxie ist eine zentrale Störung der Planung (Programmierungsstörung) von Sprechbewegungen. Diese zeigt sich vor allem in den Bereich von Artikulation, Sprechmelodie und -rhythmus (Prosodie) und Sprechverhalten und führt dazu, dass es bei der Artikulation Laute fehlerhaft gebildet oder durch andere ersetzt werden. Bei Wiederholungen können die Fehler variieren. Die Sprechgeschwindigkeit ist häufig vermindert und es treten Fehler bei der Wortbetonung auf.



STIMMSTÖRUNGEN

Bei einer Stimmstörung (Dysphonie) kommt es zu Beeinträchtigungen der Stimme und/ oder der Atemfunktionen. Sie ist gekennzeichnet durch eine Veränderung der stimmlichen Leistungsfähigkeit und des Stimmklanges.


 

Folgende Stimmstörungen können auftreten:

Funktionelle Dysphonie
Bei einer funtkionellen Stimmstörung können keine organischen Auffälligkeiten nachgewiesen werden. Hier kommt es zu einer Einschränkung der Funktion des Stimmapparates. Ursachen hierfür sind Spätfolgen schwerer Infektion der Atemwege (z.B. nach einer Kehlkopfentzündung), falsche Atemtechniken oder ein zu lauter Einsatz der Stimme:


Psychogene Dysphonie
Auch bei einer psychogenen Stimmstörung kann keine organische Ursache festgestellt werden. Prinzipiell ist es schwer, eine funtkionelle von einer psychogenen Stimmstörung zu unterscheiden. Während sich eine funktionelle Stimmstörung durch einen dauerhaften Fehlgebrauch der Stimme festigt, liegt die Ursache bei einer psychogenen Dysphonie oft bei außerordentlichen psychischen Belastungen, eytremen Stresssituationen oder einem traumatischen Ereignis und tritt somit plötzlich und unabhängig von Fehlbelastungen auf.


Organische Dysphonie
Eine organische Stimmstörung tritt aufgrund angeborener Fehlbildungen oder erworbener Veränderungen (z.B. durch Unfälle/ Operationen/ Verletzungen) der Stimmorgane auf.  Weitaus häufiger treten organische Stimmstörungen in von Knötchen oder Polypen in Folge von stimmlicher Fehlbelastungen auf.


Hormonelle Dysphonie
Hormonelle Stimmstörungen entstehen durch Störungen in der Hormonproduktion. Diese können vor allem in der Pubertät auftreten.